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Feuerwehr-Fakten (3/9); Einheiten und Struktur

Welche Feuerwehren gibt es so? Wie ist so eine Feuerwehr aufgebaut? Wer hat wo den Hut auf? Wir betrachten heute die Unterschiede der Feuerwehren, rechtliche Einordnung und gehen nach der Grobbetrachtung auf Gemeinde-Ebene zurück um den Rahmen nicht zu sprengen.

In Deutschland gibt es derzeit circa 24.000 Feuerwehren in verschiedenen Typen.

Freiwillige Feuerwehren (FF) Anzahl: ~22.700 – Tendenz fallend (Sachsen: ~ 2.000)
Eine Freiwillige Feuerwehr ist eine öffentliche Feuerwehr, die sich hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitgliedern zusammensetzt und in größeren Standorten durch hauptamtliche Kräfte (entspricht keiner Berufsfeuerwehr!) aufgestockt wird.

Zusatzabteilungen: Kinderfeuerwehr, Jugendfeuerwehr (18.166 an der Zahl), Alters- und Ehrenabteilung sowie Musikzug

Werksfeuerwehren; etwa 900
Werksfeuerwehren sind private Feuerwehren, die entweder vom Staat angeordnet wurden oder vom Staat anerkannt sind. Die Werksfeuerwehren sind für den Brandschutz in Industriegebieten (dazu zählen Flughäfen) zuständig und meist mit speziellen Fahrzeugen für eben diese erhöhten Gefahrenlagen ausgestattet.
(Beispiel: Flughafenfeuerwehr Halle/Leipzig)

Betriebsfeuerwehren; etwa 300
Im Gegensatz zu einer Werksfeuerwehr ist eine Betriebsfeuerwehr nicht staatlich anerkannt. Sie unterliegt keinen staatlichen Aufgaben und wurde oft im Rahmen von Versicherungsauflagen gegründet. Häufig werden Betriebsfeuerwehren von Betriebsmitarbeitern betrieben, welche die Aufgaben zusätzlich zur Haupttätigkeit übernommen haben. (Beispiel Papierfabrik in Eilenburg)

Berufsfeuerwehren (BF); 107
Eine Berufsfeuerwehr gehört zu einer Kommune mit >= 100.000 Einwohnern. Die Belegschaft dieser öffentlichen Feuerwehr besteht aus hauptamtlichen Einsatzkräften in mehreren Wachabteilungen, die 24h am Tag / 7 Tage die Woche die Feuerwache(n) besetzen. (Beispiel: Berufsfeuerwehr in Leipzig)

Pflichtfeuerwehren, etwa 5
Da Brandschutz und Gefahrenabwehr zur Pflichtaufgabe der Gemeinde gehören, wurden in den letzten Jahren Pflichtfeuerwehren eingerichtet. Diese Grundlage ist in den meisten Gesetzgebungen der Bundesländer hinterlegt! Wenn eine Freiwillige Feuerwehr mangels aktiven Kräften nicht aufgestellt werden kann, ist die Gemeinde verpflichten geeignete Personen für den Feuerwehrdienst zu berufen. Gerade in Nord- und Nordostdeutschland eine alarmierende Entwicklung.

Bundeswehr-Feuerwehr, 62 Depots
Die Bundeswehr unterhält im Organisationsbereich Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistung ein eigenes Zentrum Brandschutz der Bundeswehr (Branddirektion). Die Feuerwachen stellen auf den Truppenübungsplätzen, Flugplätzen, in den Depots, Untertageanlagen, Marinelandanlagen etc. den abwehrenden Brandschutz sicher.

Wir machen jetzt den harten Sprung und erklären unsere lokale Struktur:

Wichtige Grundinfo wäre hier, dass die Feuerwehr keine autonome juristische Person ist. Soll heißen ihr bekommt keine Rechnung von „der Feuerwehr“, wir können auch nicht einfach etwas bestellen und bezahlen, nicht mal eben einen Internetanschluss beauftragen, neue Schläuche kaufen oder T-Shirts für die Jugendfeuerwehr drucken. Selbst diese Facebookseite, die Homepage, die Veranstaltungen oder der Instagram-Account sind rechtlich nicht von „der Feuerwehr“ betreibbar. Entweder die Gemeinde tritt als Herausgeber (Impressum), Veranstalter und demnach Vollhafter für die publizierten Inhalte auf oder es übernimmt eine andere juristische Person.

Als Resultat wickeln wir unsere Webauftritte, Veranstaltungen, Zusatzbeschaffungen oder Spendenaufrufe über den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Sprotta e.V. ab. Dieser unterliegt als gemeinnütziger Verein einer eng gestrickten Satzung zur Unterstützung unserer Tätigkeiten.

Merke: Als Körperschaft der Gemeinde sind wir voraus budgetiert, müssen Haushaltpläne schreiben und die Verwaltungsebenen einhalten.
Wir sind auf allen Webauftritten politisch neutral und publizieren keine subjektiven Meinungen.

Das Originalzitat „Ich geh mal zu eurem Häuptling (gemeint war der Ortswehrleiter) und kläre das mit der Rechnung.“ ist also ein typischer Mythos.

Struktur:
Oberhaupt unserer Feuerwehr ist der Bürgermeister, anschließend folgen der Gemeindewehrleiter, sein Stellvertreter, die Wehrleiter der einzelnen Wehren und deren Stellvertreter. Dieser Verbund trifft sich quartalsmäßig und entscheidet über zentrale Themen wie Beschaffung, Lehrgänge an der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule Sachsen, Kommunikation, Strategie und langfristige Planungen.

In nächster Ebene gibt es den Ortswehrausschuss bestehend aus dem Wehrleiter des Ortes, Stellvertreter und den vom Bürgermeister berufenen Unterführern. Hier werden die lokal relevanten Themen besprochen, Meinungen eingeholt, Verantwortlichkeiten festgelegt, Kritiken kommuniziert und Perspektiven eruiert. Klingt jetzt alles recht bürokratisch – ist aber nicht ganz so trocken ;). In regelmäßigen Wahlen werden die Stellen der Gemeinde- und Ortswehrleitung demokratisch bestimmt. Weiterhin gibt es bei uns noch einen Gerätewart, den Jugendfeuerwehrwart, Beauftragten für Atemschutz und einen Unfallschutzbeauftragten, die Sonderverantwortungen übertragen bekommen.

Einheiten im Einsatz:
Wie bereits bei den Fahrzeugen erwähnt, hat „der Löschzug“ nichts mit einem einzelnen roten Großfahrzeug zu tun.
Hier nun Details zu den taktischen Feuerwehreinheiten.

Trupp (2 Einsatzkräfte)
Der Trupp ist die kleinste Einheit und besteht üblicherweise aus zwei Feuerwehrangehörigen, einem Truppführer und einem Truppmann.

Selbstständiger Trupp (3 Einsatzkräfte)
Dagegen ist der Selbstständige Trupp von eine Einheit, die als selbstständige taktische Einheit eingesetzt werden kann. Er besteht aus einem Truppmann und einem Maschinisten und wird von einem Truppführer geführt, der jedoch die Qualifikation eines Gruppenführers besitzen muss. Sie wird vor allem auf Fahrzeugen eingesetzt, die lediglich Platz für eine Truppbesatzung haben (Drehleitern, Rüstwagen, Tanklöschfahrzeuge, etc.). Aufgrund personeller Engpässe und ihrer Sonderaufgaben/-funktion, wodurch sie i. A. nicht selbstständig, allein tätig werden, ist es heutzutage allerdings möglich, dass diese Fahrzeuge nur noch mit der Besatzung eines 2er-Trupps besetzt werden und dann an der Einsatzstelle einem Gruppen-/Staffelführer eines Löschfahrzeuges oder direkt dem Zugführer unterstellt werden.

Gruppe (9 Einsatzkräfte)
Die Gruppe ist die taktische Grundeinheit zum Abarbeiten von Einsätzen der Feuerwehr und besteht aus neun Personen, dem Gruppenführer, einem Maschinisten, einem Melder, sowie den drei Trupps: Angriffstrupp, Wassertrupp und Schlauchtrupp. In unserer Gemeinde sind 5 von 6 Feuerwehren mit Gruppenfahrzeugen als Haupteinheit ausgerüstet.

Staffel (6 Einsatzkräfte – müsste ja eigentlich vor der Gruppe stehen, Grund wird erklärt)
Aufgrund knappen Personals und verbesserter Technik*, welche entsprechend arbeitserleichternd wirkt, ist die Staffel bei vielen Feuerwehren in der Praxis oftmals die tatsächlich eingesetzte taktische Grundeinheit. Sie besteht aus sechs Personen, einem Staffelführer, der die Ausbildung eines Gruppenführers benötigt, einem Maschinisten, sowie Angriffstrupp und Wassertrupp.
*Die technische Entwicklung ermöglicht es, dass wir auf immer leistungsfähigeren LKW und Transporterfahrgestellen immer mehr Wasservolumen mitführen können, unsere Pressluftatmer während der Fahrtanlegen können, Einrichtungen verbaut werden können, die schnelle Wasserabgaben ermöglichen und Ausrüstungen beschafft werden, die ganze Trupps einsparen.
Die Berufsfeuerwehren in den größeren Gemeinden setzen auf die Staffel als taktische Grundeinheit und fahren bei größeren Schadenslagen im Rendevous-Verfahren mit zwei Löschgruppenfahrzeugen aus verschiedenen Wachen zu einem Schadensort um vor Ort die nötige Schlagkraft aufbieten zu können.

Zug (22 Einsatzkräfte)
Der Zug ist die größte reguläre taktische Einheit und besteht im Regelfall aus zwei Gruppen (jeweils 9), dem Zugführer  und dem Zugtrupp. Der Zugtrupp setzt sich aus Führungsassistent (Stellvertretendem Zugführer), Melder und Fahrer zusammen. Dieser unterstützt den Zugführer. Je nach Situation können verschiedene Züge der Feuerwehr zum Einsatz kommen. Die bekanntesten sind Löschzug, Rüstzug und Gefahrstoffzug. Für besondere Aufgaben kann der Zug um einen selbstständigen Trupp, eine Staffel oder eine Gruppe erweitert werden und hat folglich eine Stärke von bis zu 31 Einsatzkräften. Der hierfür früher verwendete Begriff des „erweiterten Zug“ ist nicht mehr normiert.
Besonders bei den Berufsfeuerwehren hat jedoch ein Zug inzwischen kaum noch die Stärke von 22 Einsatzkräften. Heutzutage rückt ein (Berufs-) Löschzug meist mit 16 Feuerwehrangehörigen aus. Bei den Berufsfeuerwehren ist dies aus Einsparungsgründen der Fall. Bei Freiwilligen Feuerwehren kommt eine solche Reduktion vor allem durch Personalknappheit zustande, die besonders werktags tagsüber auftritt. Andererseits kann Personal durch moderne Geräte zumindest teilweise kompensiert werden. Der Löschzug kann auch ohne den oben beschriebenen Zugtrupp zum Einsatz kommen. Auch eine Verringerung des Zugtrupps ist häufig.

Verband (> 31 Einsatzkräfte)
Die Zusammensetzung des Verbandes ist nicht einheitlich definiert. Als Verbände werden Einheiten mit mehr als 31 Mann bezeichnet. Die Führung obliegt dem Verbandsführer. Oft wird der Verbandsführer von einer Führungsstaffel oder einer Führungsgruppe beim Leiten des Einsatzes unterstützt. Die Größe und Zusammensetzung eines Verbands ist sehr verschieden. Teilweise wird der Begriff Verband auch nur als Oberbegriff für Taktische Einheiten oberhalb des Zuges benutzt.

Als Faustregel kann die „2 bis 5-Regel“ herangezogen werden. Kernaussage dieser Regel ist, dass ein Einheitsführer zwischen zwei und fünf taktische Einheiten der jeweils untergeordneten Führungsebene führen kann.

In unserer Gemeinde wird z.B. bei kleinen Szenarien die örtlich zuständige Wehr alarmiert und es erscheint kein „Löschzug“, obwohl ein Löschfahrzeug und ggf. ein oder zwei Sonderfahrzeuge aufgeboten wird. Bei mittleren Szenarien kommt ein erweiterter Zug, sprich die 22 von oben und noch eine zusätzliche Löschgruppe von 9 Kräften dazu. Im Falle einer Großschadenslage, werden alle Wehren alarmiert und notfalls überörtlich ergänzt. Andersherum helfen wir natürlich auch überörtlich in Nachbargemeinden.

Merke aus Kapitel 3:
Wie schon bei den Fahrzeugen sind Pauschalaussagen kaum möglich. Diverse Kenngrößen sind sehr unterschiedlich und abhängig von der jeweiligen Feuerwehr-Art, Ausstattung und Alarm- sowie Ausrückeordnung.