Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit

Feuerwehrfahrzeug - ein Kompaktüberblick

Auf euren roten Autos ist doch "nur" ne große Pumpe und ein langer Schlauch."


Dieses Originalzitat trifft natürlich nicht zu. Bundesweit gibt es derzeit 23 genormte Fahrzeugtypen, die je nach Brand- und Katastrophenschutzgesetzgebung des Bundeslandes erweitert oder verändert werden. Zusätzlich gibt es noch technische Baurichtlinien für weitere Fahrzeugtypen (im Fall von Sprotta wurde der Mannschaftstransportwagen gemäß einer solchen Richtlinie beschafft), die nicht genormt sind. Da diese Normen regelmäßig überarbeitet werden und Feuerwehrfahrzeuge bis zu 40 Jahre im Dienst sind, kommen wir selbst im Bereich der regionalen Zusammenarbeit rund um unsere Gemeinde auf kanpp 50 verschiedene Derivate von alten und neuen Norm-Fahrzeugen, die eine Führungkraft einordnen können muss.

In der Ausbildung aller Einsatzkräfte ist Fahrzeugkunde ein wichtiges Thema, wird aber auf die örtlichen Gegebenheiten angepasst.


Um euch jetzt nicht mit der Erklärung von 23 oder 50 verschiedenen Fahrzeugtypen dieses Kapitel zu versauen, gehen wir auf jene fünf ein, die dem aktuellen Stand der Norm entsprechen und die zur Aufgabenbewältigung regional aufgeboten werden.

Löschgruppenfahrzeug 10; kurz LF 10, Besatzung: 9 Personen, vom Fahrzeug angetriebene Pumpe, Löschwassertank, übliche Beladung zur Brandbekämpfung und Menschenrettung, vierteiligen Steckleiter, Pressluftatmer, Stromversorgung, Beleuchtungssätze, eine Tauchpumpe für Wasserschäden, Säbelsäge sowie eine Motorsäge zur Pflichtausrüstung. Die Erweiterung zur technischen Rettung wäre das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug 10 (kurz: HLF 10), das zusätzlich über eine Ausrüstung zur technischen Hilfeleistung verfügt. (Beispiel: zur Rettung aus deformierten Fahrzeugen). Klingt jetzt recht überschaubar, die detailierte Beladeliste umfasst je nach Zusatzbeladung und Stand der Normung zwischen 320 - 420 Teile!

Diese Fahrzeuge sind der Fahrzeugtyp, den man als klassisches "Feurwehrfahrzeug" wahrnimmt. Also LKWs mit Mannschaftskabinen, Leitern, Schläuchen, Wasser und Pumpen halt.

Neben dem LF 10 bzw. HLF 10, welches auch in unserer Gemeinde vertreten ist, gibt es noch das LF20 bzw. HLF20. Optisch kaum vom "10er" zu unterscheiden, sind Pumpenleistung, Wassertankvolumen und Rettungsmittel (Leitern / Chemikalienschutz) erweitert.

Abbilung eines LF10: http://bit.ly/2MrrpIQ

Das "20er" wäre in dem Fall optisch identisch (Radstand wäre 4,25m statt 3,95m). Der Kostenpunkt: 300.000 - 420.000 €, meist mit 7-9 Liter Hubraum, 220-340 PS und 11 -16t  Einsatzgewicht.

Der zweite und auch zivil bekannte Fahrzeugtyp: Drehleiter mit Korb ; kurz DLK 23/12.
Die Zahlen stehen für 23m Rettungshöhe bei 12m Ausladung, wobei der gesamte Leiterpark 30m lang ist und inkl. Fahrzeugchassis eine Höhe von ~ 32m erreicht werden kann. Diese Fahrzeuge sind zu 99% ohne Allradantrieb ausgestattet, haben ~ 16t Eigengewicht, meist um die 300 PS und kosten circa 700.000€.

Abbildung: http://bit.ly/2RGDgbT

Die für den Zivilisten optisch wie einsatztaktisch unbekannten aber trotzdem weit verbreiteten Feuerwehrfahrzeuge sind die Tanklöschfahrzeuge, kurz TLF.
Diese Fahrzeuge gibt es als TLF 2000, 3000 und 4000.
Vornehmlich unterscheiden sie sich in Gewicht, Pumpenleistung sowie dem Wassertankvolumen und werden zur Wasserversorgung, Brandbekämpfung oder einfachen technischen Hilfeleistung eingesetzt.
Diese Fahrzeuge sind im Regelfall mit "normalen" Fahrerkabinen für drei Personen ausgestattet, sind etwas schwerer (bis zu 18t) und werden im Verbund mit LF/HLF (siehe oben) eingesetzt. Sie sind die "Wasserkühe" in exponierten Lagen.

Abbildung TLF 4000: http://bit.ly/2AXduFX

Der "Rüstwagen", kurz RW ist lokal noch weit verbreitet und dient als fahrbarer Werkzeugkasten der Feuerwehr. Dazu steht umfangreiches Werkzeug und Spezialgerät zur Verfügung, mit dem Personen nach Unfällen (insbesondere im Straßenverkehr) aus ihren Notlagen befreit werden, umweltschädigende Substanzen aufgefangen, Einsatzstellen ausgeleuchtet und diverse andere Aufgaben erfüllt werden können. Der Rüstwagen wird praktisch nie allein eingesetzt und ist eines dieser Feuerwehr-Fahrzeuge ohne Pumpe, Schläuche und Wasser. Die Neubau-Hochzeit dieser Fahrzeuge waren die 1970er bis 1990er. Mit den Entwicklungen im Fahrzeugbau und steigenden Normgewichten von HLFs, werden diese Fahrzeuge nur noch an Schwerpunkt-Standorten nachbeschafft. In unserer Region können die HLFs bzw. Logistikfahrzeuge diese Aufgabe zukünftig übernehmen. (in Kapitel 6 mehr zum Thema Logistik)
Wir haben ihn hier aufgeführt, da er in unserer bzw. den benachbarten Gemeinden noch häufig bei Verkehrsunfällen das Mittel der Wahl ist.

Abbildung RW1:http://bit.ly/2R71OWu

Tragkraftspriten-Fahrzeug mit und ohne Wasser; kurz TSF(-W).
Ein Feuerwehrfahrzeugtyp bei den deutschen Feuerwehren, der in zwei Bauformen genormt ist. Ihren Namen erhielten diese Fahrzeuge durch ihre entnehmbare Feuerlöschkreiselpumpe (Tragkraftspritze) zur Brandbekämpfung. Die TSFs sind weit verbreitet, werden auf aufgelasteten Transporter-Fahrgestellen aufgebaut, sind in der Regel mit sechs Personen besetzt (in unserer Gemeinde ein TSF ohne Wasser und zeitnah ein TSF-W mit Wasser und neun! Personen), haben 120 - 190PS, wiegen zwischen 3,5 und 6,7t und kosten 120.000 - 220.000 €.

TSF-W Abbildung http://bit.ly/2DrFy65

Zusatzinfo:

Im Volksmund, im TV oder bei der fachfremden Presse wird das klassische Feuerwehrfahrzeug gern als "Löschzug" bezeichnet. Den Begriff assoziieren Feuerwehrleute mit der "taktischen Einheit Löschzug". Also gemäß unserer Dienstvorschrift 3 eine Zusammenstellung von 22 Einsatzkräften und mehreren Fahrzeugen. (Die Abbildung zu diesem Posting zeigt einen Löschzug.)

Aber auch das ist nur graue Theorie. In der Praxis weichen Berufsfeuerwehr-Löschzüge mit 16 Einsatzkräften ab, es gibt Sonderzüge für z.B. Gefahrgut-Einsätze etc. und auf Landeplätzen werden Flugfeld-Löschzüge wieder anders definiert. Also gilt: Immer individuell betrachten!

In unserer Gemeinde wird z.B. bei kleinen Szenarien die örtlich zuständige Wehr alarmiert und es erscheint kein Löschzug, obwohl ein Löschfahrzeug kommt.

Bei mittleren Szenarien kommt ein erweiterter Zug, sprich die 22 von oben und noch eine zusätzliche Löschgruppe von 9 Kräften dazu.

Merke aus Kapitel 2/9:
Das Standard - "Feuerwehr-Auto"  von Flensburg bis zum Bodensee gibt es also nicht. (23 Normen + 5 Baurichtlinien)*16 Bundesländer + Flugfeld + Sonderfahrzeuge. Also circa 600 Fahrzeugtypen, die dann noch je nach örtlicher Gegebenheit individualisiert werden. Ein bunter Haufen auf den ihr stolz sein könnt! Denn in Deutschland werden die weltweit besten Feuerwehrfahrzeuge eingesetzt und produziert. Unser typischer Hang zur eierlegenden Wollmilchsau macht das Fahrzeugkonzept schwierig und kostenintensiv, aber auch unheimlich schlagkräftig.

PS: Für alle Feuerwehrjunkies: Wir mussten deutlich vereinfachen, da es auf Facebook unmöglich ist die Unterschiede zwischen MLF, LF8, LF8/6, LF10/6, LF10, HLF10, LF16-TS, LF16, LF16/12, LF20/16, LF20, HLF20, LF-20 Kats, LF24 NRW und HLF10 KatS(Sachsen) in einem Thema abzufrühstücken.